English version
Russisch
Spanisch
Portugiesisch

Pressespiegel > SWR Infomarkt, 05.07.2005
Au Pair
Gastfamilien und ihre Pflichten


Wollen beide Elternteile arbeiten, gibt es oft niemanden, der sich um die Kinder kümmern kann. Ein Kindermädchen ist meist zu teuer. Ausweg könnte ein Au Pair sein. Junge Frauen aus dem Ausland, die Deutschland kennen lernen und ihre Sprachkenntnisse verbessern möchten, verbringen ein Jahr bei einer Gastfamilie und kümmern sich um Kinder und Haushalt. 30.000 Au-pairs kommen jedes Jahr zu Gasteltern nach Deutschland. Fast immer sind es junge Frauen aus Osteuropa. Wer ein Au Pair beschäftigt, muss sich jedoch bewusst sein, dass die jungen Frauen nicht nur billige Arbeitskräfte sind. Sie haben eigene Rechte und Ansprüche, die respektiert und beachtet werden müssen.

Au pair spielt mit Kindern

Die Eltern der kleinen Carla sind berufstätig. Wenn ihr Kindergarten endet, ist Natalja zur Stelle. Carlas Brüder Felix und Moritz gehen schon zur Schule. Am Nachmittag müssen sie jedoch auch beschäftigt und betreut werden. Die Kinder und das Au Pair-Mädchen aus Russland mögen sich. Natalja fühlt sich nach einem Monat schon fast als Familienmitglied.
Hilfe im Haus
Natalja ist es wichtig, dass sie sich bei der Familie wohl fühlt. Hier muss sie nicht perfekt sein, sondern nur sie selbst. Vorher war sie für drei Monate bei einer anderen Familie, der sie nichts recht machen konnte. Nun geht es viel entspannter zu.
Auch die Mutter ist froh, dass sie nach einem anstrengenden Arbeitstag nicht mehr in der Küche stehen muss, obwohl sie zu Anfang von der Idee eines Au Pair nicht begeistert war. Sie konnte sich nicht vorstellen, eine fremde Person immer mit im Haus zu haben. Doch schon nach kurzer Zeit hat sie sich daran gewöhnt und freut sich, mit der jungen Frau am Abend zusammen sitzen zu können.
Kein Hausmädchen
Essen kochen und im Haushalt helfen ist für Natalja kein Problem. Au Pairs sind aber keine billigen Arbeitskräfte. Nach geltendem Recht darf Natalja nicht länger als fünf Stunden am Tag beschäftigt werden und muss mindestens einen Tag in der Woche frei haben. Ihre Hilfe ist außerdem nicht umsonst. Sie hat Anspruch auf ein Taschengeld von 205,- Euro im Monat und die Familie muss sie für rund 40,- Euro versichern.
Für Unterkunft und Verpflegung muss die Gastfamilie mit weiteren 250,- Euro rechnen. Natalja hat ihr eigenes Zimmer. Darauf hat sie ebenso Anspruch wie auf vier Wochen Urlaub. Natalja wird diesen Urlaub mit der Familie verbringen und freut sich darauf schon. Die Kosten trägt die Familie.
Vermittlung
Au-pair-Treffen

Natalja wurde durch den Verein für Internationale Jugendarbeit vermittelt. Diese gemeinnützige Agentur der Diakonie verlangt 280,- Euro für ihre Dienste. Kommerzielle Anbieter kosten zwischen 300,- und 500,- Euro.
Wer ein Au Pair sucht, sollte einiges beachten. Eine gute Agentur berät bei der Auswahl des Au Pair, organisiert die Vermittlung und hilft bei den Formalitäten. Sie betreut das Au Pair und die Familie auch nach Abschluss des Vertrages und kümmert sich, wenn es nötig wird, um einen Wechsel der Familie. Bei Natalja hat das gut geklappt.
Wer die Kosten für eine Agentur scheut, kann im Internet für wenige Euro Gebühr selbst auf die Suche nach einem Au Pair gehen. Anders als bei den meisten Agenturen werden jedoch weder die Gastfamilien noch die Au Pairs geprüft und es gibt keine Betreuung vor Ort.
Doch diese Betreuung kann wichtig sein. Gute Agenturen helfen den Au Pairs, andere Au Pairs zu treffen und Erfahrungen auszutauschen. Bei einem solchen Treffen kam für Natalja auch der Anstoß, die Familie zu wechseln.

In Deutschland können Vermittlungsagenturen seit Juni 2005 ein neu eingeführtes RAL-Gütesiegel Au Pair führen, wenn sie geprüft wurden und die Anforderungen an die Standards erfüllen. Verliehen wird das Gütesiegel von der Gütegemeinschaft Au Pair, die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ins Leben gerufen wurde.


Sendung am: 05.07.2005
Letzte Änderung am: 05.07.2005

Quelle: http://www.swr.de/infomarkt/archiv/2005/07/05/beitrag6.html